Die Dr. Pecher GmbH plant ein technisch anspruchsvolles Großprojekt in Wiesbaden: Die Sanierung des Hauptsammlers Ost – einer zentralen Abwasserleitung, die seit über 100 Jahren zuverlässig Regen- und Abwasser aus der Innenstadt zum Hauptklärwerk transportiert.

Der Kanal aus dem Jahr 1901 liegt in unmittelbarer Nähe der Bahngleise des Wiesbadener Hauptbahnhofs, teils sogar direkt darunter. Das machte eine Untersuchung über viele Jahrzehnte praktisch unmöglich. Erst aktuelle TV Inspektionen zeigten deutlich: Die Leitung weist erhebliche Schäden auf und muss dringend erneuert werden.

Da der Hauptsammler zwischen Bahngleisen, dem Salzbach und dem parallel verlaufenden Hauptsammler West eingezwängt ist, kommt eine offene Bauweise kaum infrage. Um den Bahnbetrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen, wird deshalb ein grabenloses Verfahren eingesetzt: speziell angepasste GFK Rohre, die im Bestand eingezogen werden und eine langfristig tragfähige Lösung unter den hohen Bahnlasten bieten.

Erneuerung des 100 Jahre alten Hauptsammlers Ost in Wiesbaden gestartet

Im Bestand verläuft der Kanal diagonal unter mehreren Gleisen – ein Problem für die Zugänglichkeit und zukünftige Inspektionen. Die neue Lösung sieht vor, einen neuen Vortrieb rechtwinklig zu den Gleisen herzustellen, der anschließend wieder an die bestehende Strecke angebunden wird. Dadurch wird der Zugang zum Kanal künftig deutlich erleichtert. Die Startbaugrube befindet sich an einem stark bewachsenen, steilen Hang. Einerseits grenzen aktive Bahngleise direkt an, andererseits liegen 6 m höher stillgelegte Gleise, die für eine mögliche spätere Nutzung erhalten werden müssen. Für den Bau wird der Hang bis auf Höhe der aktiven Gleise abgetragen – so lässt sich die Tiefe der Baugrube deutlich reduzieren.

Aufgrund der engen Platzverhältnisse muss zudem der unterhalb verlaufende Hauptsammler West freigelegt werden. Für ihn entsteht ein neuer Schacht, da auf fast einem Kilometer bisher keinerlei Zugangsbauwerk vorhanden ist.

Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Gelände sorgfältig wiederhergestellt, inklusive der Altgleise. Die Baustraße bleibt als Betriebsweg erhalten und ermöglicht später sowohl die Inspektion des Kanals als auch eine mögliche Reaktivierung der Gleise.